Elfenbeinküste – Teil 3: Jackville, Grand Bassam und Abidjan

Ein grandioser Sonnenaufgang über dem Meer, den wir vom Dachzelt aus beobachten können, empfängt uns am nächsten Morgen. So startet man doch gerne in den Tag.

Doch die darauffolgenden schlechten Küstenstraßen zehren an unseren Nerven. Immer wieder kommen uns große Menschenmengen mit Palmzweigen und in ihrer besten Festtagskleidung entgegen, da heute Palmsonntag ist.

Palmsonntag in der Elfenbeinküste

Mittags biegen wir schließlich nach Doubla ab, in der Hoffnung hier etwas Leckeres zu Essen zu finden. Doch das Freiluft-Restaurant, das wir schließlich finden, ist ein Reinfall. Nachdem wir versucht haben der Köchin klarzumachen, dass wir eine vegetarisches Attieke (fermentiertes Maniok-Fruchtfleisch) und eine Portion Reis mit Fleisch haben wollen, bekomme ich kalten Attieke mit Fischkopf und Max undefinierbare Fettstückchen in scharfer Soße mit Reis. Der Reis ist dabei das einzig wirklich Essbare am ganzen Gericht. Auch wenn wir normalerweise kein Essen zurückgehen lassen, in diesem Fall bekommen die Restaurant-Besitzer fast unberührte Teller wieder zurück. Was für ein Reinfall!

Mit immer noch knurrendem Magen fahren wir schließlich die Landzunge in Jackville entlang auf der Suche nach einer Unterkunft. Doch die ersten zwei Restaurants weisen uns uninteressiert ab, ohne sich überhaupt die Mühe zu machen freundlich zu sein. Beim dritten Restaurantbesitzer werden wir fündig. Ein lokaler Radiomoderator, wie sich herausstellt, hat hier am Strand sein Wochenend-Domizil mit Restaurant und großer Partyszene aufgebaut und er lässt uns großzügig auf seinem Parkplatz parken. Dabei würdigt er mich während des gesamten Aufenthalts kaum eines Blickes, sondern bevorzugt es sich nur mit Max zu unterhalten. Meine Kommentare werden ignoriert und auf Fragen meinerseits erst nach Wiederholung durch Max geantwortet. Ein eigenartiger Kautz, der mir mehr als suspekt ist. Das Ganze wird allerdings durch den schönen Blick aufs Meer und die gepflegte Restaurantanlage wettgemacht. Wir gönnen uns eine frische Kokosnuss und faulenzen ein wenig am Strand, bis schließlich der Besitzer auf uns zukommt und sagt, dass wir abends gerne gemeinsam Essen können, er aber vorab auf ein Bier ins nahe Dorf gehen würde und ob wir mitkommen wollen.

Neugierig stimmen wir sofort zu und so machen wir uns bei Sonnenuntergang hinter unserem merkwürdigen Gastgeber herlaufend auf den Weg Richtung Dorf. Zuerst geht’s am Meer entlang, bis wir schließlich über einen Trampelpfad durch Palmen laufend und an Kühen vorbei ins Inselinnere abbiegen.

Abendstimmung am Strand von Jackville

Eine etwas komische Situation – mal wieder nicht wissend, was einen erwartet, einem wildfremden Menschen zu folgen, der lediglich an Max Interesse zu haben scheint und mich als zu akzeptierendes Anhängsel ansieht. Schließlich lichten sich die Palmen und wir kommen tatsächlich auf einer Dorfstraße raus, wo eine kleine Bar betrieben wird. Man macht uns bekannt und wir werden auf ein Bier eingeladen, während die Männer des Ortes sich eingelegten Schnaps schmecken lassen, der gut für die Potenz sein soll, wie man Max ins Ohr flüstert. Es werden Partyvideos des vergangenen Wochenendes mit leicht bekleideten Frauen angesehen und die zweite Runde Bier und Schnaps ausgegeben. Anschließend kommt noch der Dorfclown vorbei, der nach Aufforderung der Gäste, ein Ständchen von sich gibt. Irgendwie ist dieses Zusammentreffen nett, komisch und skurril zugleich. Mit einer ausgiebigen Fotosession im Dunkeln und einer dritten Runde beschließen wir die Feiergesellschaft zu verlassen.

Unser Radiomoderator bringt uns noch bis zum Dorfende und vergewissert sich, dass wir tatsächlich auf dem korrekten Trampelpfad Richtung Unterkunft landen. Das vereinbarte, gemeinsame Abendessen können wir wohl vergessen. Dafür werden wir mit einem wildromantischen Heimweg unter Mondschein und Palmen belohnt. Im Dunkeln mit noch hungrigen Mägen bauen wir schließlich unser Zelt auf dem Parkplatz des Restaurants auf, das scheints nur wochenends betrieben wird und daher keine Gäste mehr beherbergt. Der aufkommende Wind verheißt nichts Gutes und so schlüpfen wir kurze Zeit später ins Dachzelt, bevor ein ohrenbetäubendes, heftiges Gewitter über uns hereinbricht. Über mehrere Stunden wettert das Gewitter über uns und wir befürchten, dass jederzeit eine der über uns hängenden Kokosnüsse in den Palmwipfeln sich lösen und auf uns oder unser Auto krachen könnte.

Nach einer kurzen Nacht hat sich das Gewitter schließlich gelegt und wir können im Trockenen unser Zelt wieder verlassen. Doch das Gewitter hat ganze Arbeit geleistet. Um uns herum liegen große Zweige der Kokospalmen und ein großer Pavillon, der scheints als Raum für Feierlichkeiten genutzt wurde, hat unter der Gewalt des Gewitters nachgegeben. Überall liegen verstreut Blätter, Kokosnüsse und sonstige Dinge, die der Sturm mitgerissen hatte. Während unser Gastgeber in Unterhose und Unterhemd die Schäden an seinem Restaurant begutachtet, packen wir unser Zelt zusammen und sind froh, als wir diesen skurrilen Ort mit seinem netten und zeitgleich zwielichtigen Besitzer endlich hinter uns lassen können.

Die Fahrt geht weiter Richtung Hauptstadt – Abidjan. Dort wollen wir nicht nur unsere Lebensmittelvorräte im Supermarkt auffüllen, sondern auch in der hiesigen Botschaft einen erneuten Anlauf auf ein Nigeria-Visa starten. Auf die Öffnung der Botschaft wartend, holen wir uns erst einmal einen Nescafé vom nächsten Straßenstand und lassen uns ein Baguette mit Bohnen und Spaghetti belegen. Langsam kommen wir auf den Geschmack dieser etwas gewöhnungsdürftigen Mahlzeit, die aus fragwürdigen kleinen Tupperdosen und großen Plastikschüsseln per Hand zusammengestellt wird. Eine Stunde später verlassen wir geknickt die Botschaft – wieder kein Erfolg: Nur Personen, die in der Elfenbeinküste leben, erhalten hier ein Visum für Nigeria. Das Land Nigeria bereitet uns jetzt schon Kopfzerbrechen – wie soll das nur werden?

Stadtverkehr in Abidjan mit Ronaldo

Da der Großstadtdschungel uns immer mehr stresst als uns gefällt, verlassen wir nach kurzem Besuch einer Shopping-Mall Abidjan und fahren weiter nach Grand Bassam. Dieses Städtchen liegt malerisch am Meer und ist bekannt für seine vielen, gut erhaltenen Kolonialbauten. Und tatsächlich kann man hier unter einer wunderschönen Allee die wenig befahrenen Straßen entlangbummeln und die alten Gebäude aus Kolonialzeiten bewundern.

In einem am Strand gelegenen Hotel können wir gegen ein Mittagessen kostenfrei stehenbleiben und dürfen sogar deren Pool nutzen. Das Meer ist zwar direkt vor unserer Nase, doch die Massen an Müll, die im Meer schwimmen, lassen uns schnell auf die Option Pool zurückkommen. Abends treffen noch ein paar altbekannte Gesichter auf dem Hotelparkplatz ein. Die „Bells“, eine südafrikanische Familie, die wir bereits im Senegal getroffen hatten und aktuell zusammen mit einer spanischen Familie durch Afrika reisen, nächtigen ebenfalls im Hotel. Abends sitzen wir daher gemeinsam am Lagerfeuer und tauschen Reisegeschichten & Visa-Erfahrungen aus. Wie sich rausstellt, hat jeder von uns noch einiges an Visa-Läufen vor sich. Doch allen scheint Nigeria Bauchschmerzen zu bereiten.

Es gibt tatsächlich Camembert – nach monatelangem Analog-Scheibenkäse ein wahres kulinarisches Highlight!

Mit einem Öltausch für Rotkäppchen, Kaffee für Max und einem kurzen Marktbesuch startet unser nächster Morgen.

Danach machen wir uns frisch gestärkt in Richtung Assinie Surf Camp auf. Dieses liegt an einer langgestreckten Küstenzunge, die ein beliebtes Ausflugsziel der Großstädter am Wochenende darstellt und neben vielen Privatbungalows einige schöne Hotels und Unterkünfte direkt am Strand liefert. Das Camp wurde uns von unseren Overland-Freunden Amy & Christos empfohlen, die dort zusammen mit dem Eigentümer einige Tage zuvor scheints eine super Zeit verbracht hatten. Am späten Vormittag erreichen wir das Camp und obwohl der Eigentümer in der Hauptstadt weilt, dürfen wir hier campen. Der Stellplatz liegt etwas zurückgesetzt vom Strand im Hinterland, direkt neben einem der ersten Hochseilgärten Afrikas. Die Kletter-Anlage ist an Kokospalmen befestigt und deutlich niedriger angelegt als die Hochseilgärten bei uns. Dennoch scheint es hier genug zahlende Gäste zu geben, die sich über Hängebrücken und ähnliches durch die Palmen schlängeln wollen. Wir bevorzugen das Meer und verbringen einen gemütlichen Nachmittag am Strand unter Sonnenschirmen und mit einem kalten Bier. Am späten Nachmittag kehren wir zu Rotkäppchen zurück und sammeln eine der vielen Kokosnüsse auf, die rund ums Auto auf dem Boden liegen. Diese wird von Max mehr oder weniger fachmännisch mit der Axt geöffnet und wir schlürfen das leckere Kokoswasser und löffeln das Kokosfleisch.

Abends, nach einem ausgiebigen Strandspaziergang zusammen mit dem Camp eigenen Wachhund, der uns nicht von der Seite weicht, gönnen wir uns ein grandioses Dinner mit fangfrischem Thunfisch und allerlei Leckereien. So gut haben wir seit Marokko nicht mehr gegessen! Zusammen mit dem Sonnenuntergang überm Meer ein weiterer toller Tag an der Elfenbeinküste.

Abendlicher Spaziergang mit Wachhund Rambo