Guinea – Teil 3: Den Schimpansen ganz nah

Die Nacht im Forest Camp hat leider wieder nicht die erhoffte Erholung gebracht, da erneut einsetzender Regen und das sich durch die Zeltplanen suchende Wasser uns einiges an Schlaf gekostet hat. Doch trotz Nässe im Zelt, freuen wir uns auf den anbrechenden Tag: Wir haben recherchiert, dass man hier in der Nähe Waldelefanten und Schimpansen zu Fuß aufsuchen kann und hoffen auf eine tolle Tour durch den dichten Regenwald. Doch es kommt mal wieder anders, als geplant.

Auf der Suche nach dem Parkbüro von wo aus wir uns einen Guide organisieren wollen, da ohne ortskundigen Führer sicher kein Tier vor unsere Linse laufen würde, fahren wir als morgens diverse kleine Pfade entlang, fragen passierende Fußgänger und sind schon kurz vor Aufgabe unseres Plans, als mehrere Militärs uns mit einem Moped ansprechen und uns befehlen ihnen zu folgen. Bereits an ihrer bestimmenden Art merken wir, dass hier etwas faul ist. Sie bringen uns zu einem Gebäude, an dem wir an diesem Tag bereits zweimalig vorbeigefahren sind, wo allerdings kein Anzeichen von einem Parkbüro o.ä. ersichtlich war. Wir werden zum obersten Chef zitiert, der uns gleich klarmacht, dass wir etwas falsch gemacht hätten. Die Vorwürfe sind mehr als absurd: Wir hätten bewusst ihr Büro ignoriert und uns nicht bemüht sie aufzusuchen. Als wir versuchen ihnen zu erklären, dass das vorm Gebäude angebrachte Schild keineswegs andeutet, Besucher zu empfangen, wird uns vorgeworfen, dass wir lügen. Warum wir nicht bei ihnen stehengeblieben wären und sie gefragt hätten? Jegliches Abwehren der Vorwürfe hilft nichts – uns wird unterstellt bewusst ihr Büro gemieden zu haben. Um das Gespräch schließlich wieder auf den eigentlichen Grund unseres Besuches zurückzulenken, fragen wir nach den Optionen, was wir denn nun machen können. Darauf wird nicht eingegangen. Vielmehr fragt man uns, wo wir übernachtet hätten. Aufgebracht erklärt man uns, dass wir ja mit Übernachtung im Forest Camp bereits auf Parkgrund geschlafen hätte und wir damit noch größere Übeltäter wären und dafür auf jeden Fall zahlen müssen. Beinahe synchron stehen Max und ich auf und ergreifen die Flucht. Vorbei an den bewaffneten Militärs, raus aus dem Haus und rein in Rotkäppchen. Hier will man uns lediglich abzocken und anschreien – an einen erfolgreichen Besuch der Waldelefanten ist hier nicht mehr zu denken. Uns werden noch einige Dinge hinterhergeschrien, doch diese verstehen wir schon nicht mehr, als wir mit Käppchen das Weite suchen. Was zur Hölle war das für eine Begegnung? Es kann doch nicht deren Ernst sein, so mit zahlungswilligen Gästen umzugehen! Frustriert fahren wir also weiter.

Am Straßenrand sehen wir immer wieder riesige Rauchschwaden aus Hütten kommen und große schwarze Tonnen in denen irgendetwas gekocht wird. Spontan halten wir am Straßenrand und fragen, ob wir sehen dürfen, was hier verarbeitet wird. Freundlich führt uns einer der Männer in eine der Hütten, wo rote Palmfrüchte gelagert werden, daneben steht eine Hütte, wo die in schwarzen Tonnen erhitzte Palmfrucht dann zu Palmöl verarbeitet wird. Es handelt sich hier um den sehr traditionellen Produktionsprozess, der eher für den örtlichen Verkauf bestimmt ist. Dennoch spannend zu sehen, wie die Früchte hier zu Brei und schließlich Öl verarbeitet werden. Sicherheitskleidung oder zumindest Schuhe für die mit kochend heißem Palmöl hantierenden Arbeiter – Fehlanzeige.

Weiter geht die Fahrt nach Nzerekore, der letzten größeren Stadt bevor es in die Elfenbeinküste geht. Dort wollen wir unbedingt ein Hotel mit Internet auftreiben, um endlich mal wieder ein Lebenszeichen nach Deutschland zu schicken und für die kommenden Tage unsere Reise zu planen. Doch dieses Unterfangen stellt sich als mehr als schwierig heraus. Obwohl es einige Hotels in der Stadt gibt, haben diese entweder kein Internet, oder es funktioniert gerade nicht. Beim vierten Hotel werden wir fündig. Allerdings muss dafür ein neues Datenpaket gekauft und auf den Router übertragen werden. Wir trinken also zwei Cola im Restaurant und surfen im Internet, nachdem wir vereinbart haben, dass wir für die verbrauchten Daten zahlen. Allerdings stellt sich im Nachgang heraus, dass man uns mal wieder als weiße Touristen übers Ohr hauen möchte und mehr als den 5-fachen Preis des normalen Datenpakets abrechnet. Nach zähem Hin-& Her einigen wir uns mit dem Hotelmanager und fahren weiter. Guinea wird wohl nicht eins unserer Lieblingsländer werden, wenn es so weitergeht.

Da die Wanderung zu den Waldelefanten heute Morgen nicht geklappt hat, beschließen wir spontan nach Bossou zu fahren. Das ist ein kleiner Ort in der Nähe zur Grenze nach Liberia, wo man einigermaßen zuverlässig Schimpansen in der freien Wildnis zu Gesicht bekommen kann. Als wir ankommen, werden wir freundlich empfangen und man sagt uns, dass heute bereits Schimpansen getrackt worden wären. Wenn wir uns beeilen, können wir gleich zu einem Schimpansen-Trekking aufbrechen. Schnell springen wir also in unsere Turnschuhe und folgen dem in Gummistiefel vor uns herlaufendem Guide.

Ab durch den Dschungel

Dieser spricht kaum etwas und sprintet in einem Höllentempo den vor Bossou liegenden Berg hinauf. 30 Minuten kämpfen wir uns in einem Affenzahn keuchend den rutschigen, schlammigen Berg hoch durchs dichte Regenwaldgewirr. Und gerade, als Max und ich dem Guide klar machen wollen, dass wir in wenigen Minuten keine Kraft mehr hätten und dringend etwas trinken müssen, sehen wir sie: 3 Schimpansen hängen hoch oben in den Baumkronen. Schwitzend und versuchend zu Atem zu kommen, beobachten wir einige Zeit die schwarzen Rücken der Tiere, die weit entfernt im Baum faulenzen. Auch durchs Fernglas und durch die Linse der Kamera kann man leider nicht viel erkennen. Unser Guide hat es sich inzwischen gemütlich gemacht und so versuchen auch wir unsere klatschnassen Körper irgendwo zwischen Lianen, Ameisenstraße und anderem Getier niederzulassen, um zu warten.

Und tatsächlich lohnt es sich: Nach und nach scheinen die Affen von ihrem Nachmittagsschläfchen zu erwachen und beginnen Früchte zu essen, sich zu strecken und langsam den Baum runter zu klettern.

Wir kommen bis auf 5 Meter an die Schimpansen ran – nicht ohne dabei die uns vor der Tour in die Hand gedrückten OP-Masken aufzusetzen, um die vom Aussterben bedrohten Tiere nicht unnötig mit menschlichen Krankheiten anzustecken.

Eine gute Stunde haben wir so Gelegenheit, diese beeindruckenden Tiere aus nächster Nähe zu beobachten, Fotos zu schießen und ihnen bei menschenähnlichen Dingen wie Bauch kraulen, Haare richten und Gliedmaßen durchstrecken nach dem Nachmittagsschlaf zuzusehen.

Danach klettern alle 3 Schimpansen nacheinander von den Bäumen runter und verschwinden im Dickicht. Wir folgen ihren Spuren noch eine Weile, hören aber nur noch Rascheln und bekommen sie nicht mehr zu Gesicht. Rutschend und an Lianen festhaltend kämpfen wir uns im Anschluss wieder durchs Gebüsch zurück zu unserem heutigen Camping Platz. Ein Wahnsinns-Erlebnis, das wir abends mit einem Gin Tonic und Brotzeit vor Rotkäppchen ausklingen lassen. So schlecht ist Guinea dann doch wieder nicht… 😉