SENEGAL Teil 1- Großstadtdschungel in Dakar und Traumstrände an der Küste

Als erstes Ziel im Senegal steht Saint-Luis auf unserem Plan, eine ehemals prächtige Kolonialstadt der Franzosen, die ihren kolonialen Charm zumindest auf der per Brücke erreichbaren Hauptinsel in großen Teilen noch behalten hat, trotz zunehmenden Verfall der Gebäude. Die Leute sind höflich, kaum aufdringlich und so bummeln wir in der Mittagshitze etwas durch die Stadt, nachdem wir erfolgreich Geld abgehoben und eine Westafrika-Versicherung für Rotkäppchen abgeschlossen haben. Zwar haben wir bereits in Deutschland eine Autoversicherung für alle afrikanischen Länder vereinbart, doch befürchten wir, dass die zum Teil korrupten Polizisten auf unserem Weg Richtung Südafrika liebend gerne diese als „ungültig“ erklären werden und wir damit viel Ärger haben könnten. So investieren wir lieber 30 Euro und bieten somit den Polizisten keinen Grund uns zwecks fehlender Papiere abzukassieren. Wenn wir damit 2-3 Polizisten weniger am Hals haben, dann ist es das allemal wert. Beim Verlassen von Saint-Luis springt uns eine Horde Jugendlicher mit großen Eimern in der Hand vors Auto. Eigentlich kennen wir bisher nur bettelnde Kinder mit kleinen Eimern, die am Straßenrand um Kleingeld und Süßigkeiten betteln. Nun aber springen die Jugendlichen aggressiv vor der Kühlerhaube hin und her im dichten Stadtverkehr und nur Max‘ beherzter Tritt aufs Gaspedal lässt sie überrascht von Rotkäppchen ablassen. Es ist doch gut, dass Max die meiste Zeit fährt. Ich wär sicher aus Angst einem der Jungs über den Fuß zu fahren stehen geblieben und dann wären wir sie nie losgeworden.

So aber fahren wir von der Hitze und dem Gewusel der Stadt gestresst zur Zebra Bar, einem bei Overlandern bekannten Campingplatz außerhalb der Stadt Richtung Küste. Dort befindet sich ein riesiges Areal unter Schweizer Führung, das abgeschirmt von der Außenwelt zum Verschnaufen einlädt, allerdings auch jeglichen Kontakt mit der Bevölkerung unterbindet. Wir genießen die entspannte Atmosphäre, beschließen aber am nächsten Tag weiterzuziehen, um das „wahre Senegal“ zu entdecken. Nachmittags gehts dann noch mit Kanus über einen Flussarm ans andere Ufer, von wo aus man zum Meer wandern kann. Dabei werden wir vom Sohn anderer deutscher Overlander begleitet, die zu Hause ihre Zelte abgebrochen haben und nun mit ihren zwei Kindern + Hund durch Afrika touren. Abends kochen wir uns ein kulinarisches Schmankerl – Knödel in Rahmsauce. So mitgebrachte Vorräte sind schon was Tolles!

Nach einem gemütlichen Frühstück verlassen wir die Zebra Bar mit dem Ziel heute bis Dakar zu kommen. Die Fahrt dorthin ist bis auf das hohe Verkehrsaufkommen, drückender Hitze und sehr nervigen Polizisten, die uns immer wieder kontrollieren in der Hoffnung, dass wir keine zwei (!) roten (!) Warndreiecke aufweisen können, sehr unspektakulär. Und so stürzen wir uns in das Großstadt-Getümmel von Dakar. Unser erstes Ziel ist das Zollbüro im Hafen, um dort unsere Autopapiere stempeln zu lassen. Als wir das Büro nach einigen chaotischen Staus endlich erreichen, ist das Thermometer bei 35 Grad angekommen und es ist schon später Nachmittag. Doch jetzt geht der Spaß erst richtig los. Wir werden im Zollamt erst einmal in den 3ten Stock geschickt, um dort vor verschlossener Tür zu warten. Nach einiger Zeit nimmt man unsere Papiere entgegen und ein nicht enden wollendes Spiel beginnt: man schickt uns mit dicken Büchern und Mappen von einem Büro zum anderen. Manchmal mit Carnet de Passage, manchmal ohne. Dabei kommen wir nicht nur ganz schön ins Schwitzen, sondern sind auch mächtig genervt. Nach 45 Minuten treppauf, treppab kommen wir endlich in das Büro, das tatsächlich einen Stempel besitzt und willens ist diesen auf unseren Fahrzeugpapieren zu hinterlassen – allerdings nicht, ohne uns davor noch auf die andere Straßenseite zu schicken, um noch diverse Kopien von unseren Autopapieren zu machen. Endlich drückt der Beamte den Stempel auf Rotkäppchens Papiere und wir können weiterfahren. Auf zur Botschaft von Kamerun. Diese soll bis 16:30 Uhr offen haben und wir hoffen dort ein Visum zu ergattern, da aktuell die politische Situation und Sicherheitslage in Kamerun angespannt und entsprechend unsicher der Erhalt eines Touristen-Visums ist. Als wir ankommen ist es 16:15 Uhr und unsere Hoffnung auf eine Beantragung auf ein Visum schwindet. Und so ist es dann auch. Wir erfahren, dass wir am nächsten Tag wiederkommen sollen, zusammen mit zig verschiedenen Dokumenten (u.a. Hotelreservierungen) und dann würde es bis zu 3 Tage dauern, bis wir die Reisepässe wieder abholen können. Etwas zerknirscht ziehen wir von dannen. 

Nun ist es aber erst einmal an der Zeit nach einem passenden Schlafplatz in diesem Großstadt Gewirr zu suchen – bei Feierabendverkehr keine leichte Aufgabe. Aber Max kurvt gekonnt an jedem beweglichen oder unbeweglichen spontan auftauchenden Hindernis vorbei und so gelangen wir endlich beim lokalen „Segel Club“ an. Dieser soll angeblich auch ab und an als Campingplatz fungieren. Und tatsächlich, mitten in Dakar finden wir ein schattiges Plätzchen leicht entfernt vom Straßentrubel und etwas skurril vor einem leicht vermüllten und wenig einladenden Stadtstrand gelegen. Hier treffen wir auch auf Jason, einen verrückten Briten, der mit seinem Fahrrad von England aus gestartet ist und jetzt in Dakar hofft ein paar Ersatzteile für sein Bike zu bekommen. Jason mit seinem durchgeknallten Talk und seiner lebensfrohen Art begeistert uns und so verbringen wir den Abend mit ihm und freunden uns mit ihm an. Er schläft dann auch einen Meter vor Rotkäppchen entfernt in seinem kleinen 1-Mann Zelt, das er morgens gekonnt wieder in seinen Fahrradtaschen verstaut. Ein Überlebenskünstler, der es sogar in Mauretanien mit seinem Fahrrad durch den Harmattan-Sandsturm geschafft hat und dem wir auf unserer Reise noch öfter – persönlich wie auch durch Erzählungen anderer Overlander begegnen werden. Während Jason mit dem Fahrrad Richtung Gambia losstrampelt, fahren wir morgens gleich Richtung Kamerun-Botschaft. Eine Hotelreservierung haben wir noch schnell bei booking.com getätigt und danach wieder storniert. Mit einem großen Stapel Papiere sitzen wir schließlich wieder in der Botschaft und füllen die Antragsformular aus. Dieses mal sagt man uns, dass der Pass doch keine 3, sondern nur einen Tag in Anspruch nehmen würde. Umso besser!

Um aber die Zeit nicht im hektischen Dakar totschlagen zu müssen, verlassen wir das Großstadtgetümmel und fahren mit Rotkäppchen in den Süden zum Strand La Somone. Dort trifft ein Süßwasser Flussarm auf’s Meer und neben traumhaften Sandstrand und netten kleinen Barhütten, kann man hier auch Pelikane und andere Vögel beobachten. Allerdings wird die Anfahrt tatsächlich zur Herausforderung. Dabei muss man wissen, dass auf der anderen Seite des Flusses, sprich etwas südlicher, eine gut ausgebaute Teerstraße hinführt, da dort einige Hotels auf Pauschaltouristen warten. Wir entscheiden uns allerdings für die Abenteuer-Variante mit Anfahrt von Norden. Dabei Vertrauen wir auf die Wegbeschreibung von Google – ein großer Fehler, wie sich rausstellt, da wir plötzlich im tiefen Sand stecken und Käppchen sich nur noch im Schneckentempo vorangräbt. Aus Angst komplett steckenzubleiben, lässt Max schließlich etwas Luft aus den Reifen und wir schaffen es mit Hängen und Würgen aus dem tiefen Sand wieder raus, ohne buddeln zu müssen, oder die Sandbleche zu benutzen. Noch einmal Glück gehabt.

Zur Belohnung empfängt uns La Somone nicht nur mit einem traumhaft schönen Blick aufs Meer, sondern auch die Besitzer der kleinen Beach-Bar sind wahnsinnig herzlich und gastfreundlich. So werden wir am Nachmittag zum gemeinsamen Reis mit Fisch eingeladen. Das Ganze serviert auf einer großen Metallplatte von der man gemeinsam mit Löffel oder per Hand isst. Dabei werden uns regelmäßig die größten Fischstücke zugeschoben und man achtet akribisch darauf, dass wir ja genug abbekommen. Im Anschluss sitzen die Männer zusammen und kochen Tee, während die Frauen den Abwasch tätigen. Ich darf aber zusammen mit Max bei den Jungs sitzen und mit ihnen über die vorbeischlendernden älteren weißen Damen lästern, die sich hier in Senegal einen dunklen Beachboy angelacht haben. Man sagt uns, dass dies hier ganz häufig passiere, wobei es noch viel schlimmer wäre, wenn sich die jungen Mädchen für alte Kerle hergeben. Immer in der Hoffnung nach Europa zu kommen und von dort aus die Familie unterstützen zu können. 

Abends, als die Sonne untergeht, haben wir schließlich den Strand komplett allein für uns. Die Barbesitzer paddeln auf die andere Flussseite zu ihrer Familie und wir bleiben allein zurück, mit einem kalten Bier bei Kerzenschein. Wenn das nicht paradiesisch ist, dann weiß ich’s auch nicht! 

Aber das Paradies findet am nächsten Morgen ein jähes Ende, als wir wieder gen Dakar aufbrechen und den Stau in die Innenstadt überstehen müssen. Die Autos fahren kreuz und quer und dazwischen wuseln zig Verkäufer zwischen den wartenden Autos und den sich durch den Verkehr schlängelnden Mopeds und Motorrädern. Dabei werden einem neben Armbanduhren, Zeitungen, Getränken, kleinen Keksen und Nussbeuteln auch Bilderrahmen in 2×2 Meter Größe, ein Teppich oder ein aufstellbarer Globus angeboten. Wir wundern uns, wer spontan hier auf der „Schnellstraße“ zum Globuskauf bereit sein soll, aber gut… 

Endlich bei der Botschaft von Kamerun angekommen, betreten wir etwas bange den Empfangsraum. So richtig glauben wir noch nicht, dass wir tatsächlich heute unsere Pässe abholen können und die Aussicht noch einen weiteren Tag in Dakar verbringen zu müssen, ruft nicht gerade Glücksgefühle bei uns hervor. Aber tatsächlich werden uns freudestrahlend 2 Pässe überreicht und wir ziehen glücklich von dannen! Jetzt nichts wie raus aus der Stadt und ab Richtung gambische Grenze. Doch die Kilometer ziehen sich zäh wie Kaugummi dahin und auch die Polizeistopps mit den endlosen Fragen nach Ausweis, Fahrzeugpapieren und Warndreiecken Kosten einiges an Nerven. Und tatsächlich werden wir nach 3 erfolgreich passierten Polizeikontrollen länger festgesetzt. Grund dafür: ich war angeschnallt, hatte aber den Gurt aus reiner Bequemlichkeit nicht über die Schulter gelegt, sondern unterhalb des Arms langgeführt. Ein gefundenes Fressen für den senegalesischen Polizisten, der sofort Max Führerschein einkassiert und uns zur Kasse bitten will. Er würde jetzt einen Bußzettel über 10.000 CFA (ca. 17 Euro) ausstellen und wir sollen mit diesem zur nächsten Polizeiwache fahren und dort bezahlen (was ja keinen Sinn macht, da wir sicher nicht ohne Führerschein Autofahren werden!). Da Max merklich am kochen ist und die Situation zu eskalieren droht, lasse ich den Polizisten in gebrochenem Französisch wissen, dass wir hungrig sind und erst einmal was essen würden. Er könne solange den Führerschein behalten. Wir kehren ihm also den Rücken und holen uns erst einmal ein paar Bananen und Schmalzgebäck, bevor wir uns wieder mampfend zurück zum Polizisten begeben. Er soll ruhig merken, dass wir ihn nicht für voll nehmen. Und auch die Tatsache, dass eine Frau ihn versucht zu bereden, ist für ihn ungewohnt. Er besteht weiterhin auf seine Strafgebühr, senkt diese aber nun auf 5.000 CFA, wenn wir sie denn direkt an ihn bezahlen. Jetzt sind wir uns sicher, dass er nichts gegen uns in der Hand hat und nur seine private Haushaltskasse aufbessern möchte. Nach zweimaligem Nachfragen seinerseits, ob wir denn immer noch nicht bereit seien, Geld fließen zu lassen und unserm erneuten Verneinen, drückt er mir genervt den  Führerschein in die Hand und sagt, dass wir fahren sollen. Da hat sich unsere Geduld wohl ausgezahlt, auch wenn diese Aktion wieder Zeit und vor allem Nerven gekostet hat.

Mit Blick auf die Uhr wird uns klar, dass wir heute nicht mehr die Grenze zu Gambia schaffen würden und wir biegen kurz später von der Hauptstraße ab, um zu einer Ansammlung an Steinkreisen a la Stone Henge zu fahren und dort einen Wildcamping Spot ausfindig zu machen. Die im Reiseführer als großartig beschriebenen Steine entpuppen sich als kniehohen Gesteinsbrocken, die wahllos aneinandergereiht zwischen ein paar friedlich grasenden Kühen zu finden sind. Aber obwohl der Abstecher dorthin im ersten Moment enttäuschend erscheint, finden wir anstatt einem Wild-camping Platz tatsächlich eine Jagd-Lodge. Hier verbringen scheints alteingesessene Senegal-Franzosen ihre Freizeit mit Jagd auf nachmittags Wildtiere (wobei wir nicht wissen auf was? Warzenschweine?)  und abends auf junge Mädels an der Bar. Wir parken Rotkäppchen etwas abseits vom Trubel mit Blick auf den Flusslauf. Nach einem kurzen Sprung in den Pool, schmeißen wir unseren Omnia-Gasbackofen an und backen uns zum ersten Mal Brot mit der aus Deutschland mitgebrachten Brotbackmischung. Nach wochenlangem Weißbrotverzehr wird die abendliche Brotzeit zum absoluten Hochgenuss.