Madagaskar – Tag 10: Aufstieg Richtung Pic Boby

Pünktlich um kurz vor sechs klingelt unser Wecker und voller Vorfreude auf unsere heutige Wanderung steigen wir aus dem Bett. Da wir gestern noch im Dunkeln mit der Taschenlampe (aufgrund von Stromausfall in der Stadt über mehrere Stunden) unsere Rucksäcke gepackt haben, bleibt uns heute morgen genug Zeit, um noch ein Frühstück zu uns zu nehmen. Da die Küche der Unterkunft noch geschlossen ist, finden wir beim „Busbahnhof“ ein nettes, kleines Café wo wir uns Tee und Omelette gönnen.

Freddy, unser Guide

Obwohl wir uns anfänglich nicht sicher sind, ob heute morgen wirklich jemand auftauchen würde, erscheint entgegen aller Bedenken um kurz nach 7 Uhr unser Tourvermittler mit zwei Personen im Schlepptau. Diese werden uns als Tourguide „Freddy“ und unseren Koch vorgestellt, der gleichzeitig auch als „Porter“ – also Lastenträger – eingesetzt wird. Nachdem alle Kochutensilien & Rucksäcke im Auto verstaut sind, kanns losgehen. Erstes Ziel: Der örtliche Markt, da noch frisches Fleisch und Obst eingekauft werden muss. Dabei muss man wissen, dass mangels Kühlmöglichkeiten die meisten Metzger im Land nur so viel Fleisch schlachten, wie innerhalb eines Tages verkauft werden kann. Entsprechend kauft auch die Bevölkerung Fleisch immer komplett frisch, um die Haltbarkeit des Fleisches gewährleisten zu können.

Nächstes Ziel: Der Zebumarkt, der jeden Mittwoch in Ambalavao abgehalten wird und wohin die Bevölkerung zum Teil über mehr als hundert Kilometer mit ihren Zebu-Rindern zu Fuß pilgern, um diese dort zu verkaufen. Warum unser Guide hier wie vom Erdboden verschwindet, um mit leeren Händen wieder aufzutauchen, bleibt offen. Aber es kann weitergehen.

Es erwarten uns 50 Kilometer Horrorstraße mit vielen Brücken, oder solchen, die diesen Begriff eigentlich nicht mehr verdient haben; fast unbefahrbaren, ausgespülten Straßen und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15km/h. Vollkommen durchgeschaukelt und durchgeschwitzt erreichen wir schließlich nach stundenlanger Fahrt das Park Headquarter, wo wir nicht nur den Parkeintritt bezahlen, sondern auch noch zwei weitere Personen aufsammeln, die sich ebenfalls auf die Rückbank quetschen. Nach einer weiteren Stunde Fahrt zu Sechst im glühend heißen Auto, erreichen wir schließlich eine Hütte, neben der wir unser Auto parken und von wo aus wir dann in sengender Mittagshitze aus den Fußmarsch Richtung Pic Boby starten.

Aufstieg zum Camp

Mittagspause im lang ersehnten Schatten

Beinahe senkrecht geht der Weg steil über einen Trampelpfad bergauf und die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Die Mittagspause im Schatten eines der wenigen Bäume nach einer Stunde Aufstieg genießen wir daher umso mehr mit einem traumhaften Ausblick auf das Tal, durch das wir uns die Stunden zuvor mit dem Auto gequält haben. Nach der Mittagspause wird der Weg langsam flacher und es eröffnet sich schließlich ein Blick auf bizarre Felsformationen, die sich nach und nach zu einer Mondlandschaft entwickeln. Trotz der Hitze und der körperlichen Anstrengung kommen wir aus dem Staunen über die landschaftliche Abwechslung und den tollen Ausblick nicht mehr raus. Hier ein paar Eindrücke:

Schließlich erreichen wir den höchsten Punkt des Tages, von wo aus man über ein vor kurzem abgebrannten Wald hinab zum Hochplateau wandert, auf dessen Höhenniveau auch unser Camp liegt. Die Vegetation wird wieder grüner und es geht vorbei an kleinen Bergflüssen, welche die beiden Wasserfälle speisen, die vom Parkplatz aus zu sehen waren. Wir laufen eine weitere Stunde bergauf, bergab über mehrere Hügel (gemäß Freddy „malagassy flat“). Nach 5 Stunden Wanderung, vielen spannenden Infos von Freddy – dessen Begeisterung für seine Geschichten sich nicht durch mangelnde Sprachkenntnisse bremsen lässt und oftmals dazu führt, dass wir ohne ein Wort verstanden zu haben mit einem „YES, YES“ Zustimmung ausdrücken, um nicht unhöflich zu wirken.

Ankunft am Camp

Am Lager angekommen, werden wir schon von unseren beiden Porters erwartet, die uns mit Tee und Keksen empfangen. Der dritte Kerl, der uns ebenfalls im Auto begleitet hatte, ist fleißig am Holz sammeln, um genug Feuerholz für die Kochstelle zu haben. Wir nutzen noch die letzten Minuten, bevor die Sonne hinterm Berg verschwindet und erfrischen uns kurz im kühlen Gebirgsbach, bevor es ein deftiges Abendessen mit jeder Menge Reis am Lagerfeuer gibt. In der Zwischenzeit hat es spürbar abgekühlt und wir klettern bei Sternenhimmel und Null Grad in unsere Schlafsäcke. Die Nacht verspricht eisig kalt zu werden.

Schlafplatz am Fuße des Pic Boby